Haselstein, Honigfels und ein Schaf namens Stil-Mäh

Zurück an den Ort, an dem ich als Kind so oft war

  • Strecke 6,66 km
  • Aufstieg 300 hm
  • Gehzeit 2:18 h
  • Schwierigkeit schwer

Start und Ziel: Wanderparkplatz im Bärenbrunnertal, unterhalb des Hofs

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Manche Touren sucht man nach der Strecke aus, und manche nach einem Gefühl. Diese hier gehört in die zweite Kategorie. Auf dem Bärenbrunnerhof war ich als Kind so oft, dass ich den Weg dorthin immer noch im Kopf habe, und jedes Mal, wenn ich ins Tal hineinfahre, kommt derselbe nostalgische Anflug. Diesmal war nur Raphael dabei, und aus der Rückkehr wurde ein Tag, an dem es von morgens bis abends ums Kraxeln ging.

Es begann allerdings nicht mit einem Felsen, sondern mit einem Schaf. Gleich am Einstieg zum Parkplatz steht ein Zaun, und dahinter stand ein kleines Schaf und sah uns an. Raphael hat ihm auf der Stelle einen Namen gegeben: „Stil-Mäh“. Warum genau, konnte er nicht sagen, aber der Name saß. Wir hatten am Wegrand einen Apfel gepflückt, und ein Stück davon ging über den Zaun. Damit war die Sache besiegelt.

Der erste Fels ist der Haselstein. Man kommt auf dem Weg an ihm vorbei, ohne viel zu sehen — wer hinauf will, muss abseits des Pfads den Hang hoch. Unten läuft man erst an einer langen Sandsteinbank entlang, rot und grau gebändert, mit Farn davor und Moos darauf, und dann geht es über Blöcke nach oben. Anstrengend ist das nicht, aber man klettert wirklich, und oben steht man auf einer flachen Felsplatte zwischen Kiefern mit Blick über die bewaldeten Hügel. Wer über die Kante schaut, sieht steil in eine schmale Schlucht hinunter, in der es zwischen den Bäumen dunkel und still ist. Genau dafür ist ein Siebenjähriger den Umweg gegangen.

Weiter unten am Fels hängt der Sandstein in Überhängen über den Weg, mit leuchtend gelben Flechten überzogen, die aussehen wie Farbe. Zwischen zwei Blöcken gibt es einen Durchblick auf das Tal und eine abgestorbene Kiefer, die sich als Silhouette davorstellt. Der Wasgau macht das gern: Er zeigt die Aussicht nicht auf einmal, sondern portionsweise, durch Lücken im Fels.

Der zweite Fels ist der Honigfels, und der ist eine andere Größenordnung. Die Wand steht senkrecht auf, rot und grau geschichtet, oben von einer schief gewachsenen Kiefer gekrönt, und sie ist so hoch, dass ein Kind am Fuß darunter verschwindet. Hier waren echte Kletterer unterwegs, mit Seil und Gurt, und für Raphael war das der Moment, in dem die Sache ernst wurde: Man kann an so einer Wand also tatsächlich hinauf. Wir sind unten geblieben und haben eine ganze Weile nur zugeschaut.

Der Weg führt dann oben auf den Felsgrat hinaus, und dort öffnet sich der Blick, für den man die Tour macht. Man steht auf einer langen Sandsteinplatte, links und rechts fällt es weg, vorne zieht das Bärenbrunnertal nach Süden: Wiesen und ein paar helle Felder im Talgrund, drumherum von allen Seiten Wald, und dahinter Hügelkette hinter Hügelkette bis zum Horizont, jede eine Spur blasser als die davor. Ganz hinten steht ein einzelner Fels auf einer Kuppe. Der Talgrund liegt tief unten, und der Hof selbst ist von hier aus nur ein rotes Dach zwischen Bäumen.

Zum Abstieg geht es zwischen die Felsen hinein. Unter einem Überhang liegen mannshohe Blöcke, dick mit Moos überzogen, dazwischen ein Spalt, durch den man hindurchklettert — von oben sieht man erst gar nicht, wo der Weg weitergeht. Dahinter steht ein einzelner Turm wabenartig verwitterten Sandsteins senkrecht in den Himmel. Das letzte Stück hinunter geht über Felsstufen, an denen jemand Holzgeländer angebracht hat. Dass komoot diese Runde als schwer einstuft, ergibt spätestens hier Sinn: Es sind nur knapp sieben Kilometer, aber Trittsicherheit braucht man auf mehreren Abschnitten wirklich.

Unten dann der Hof. Der Bärenbrunnerhof liegt für sich allein im Tal, alte Sandsteingebäude mit Ziegeldächern, davor Weiden und Gatter. Hinter dem Stall lagen die Schweine im Stroh und dösten, und daneben, hinter einem zweiten Zaun, steht die Wiese, auf der die Hühner unterwegs sind — ein paar Dutzend, dazu ein fahrbarer Stall und ein Schattendach. Raphael hat sich an den Zaun gehockt und zugeschaut, und wir haben eingekehrt und es uns Zeit lassen lassen. Für mich war das der eigentliche Grund der Tour: derselbe Hof, dasselbe Tal, nur diesmal mit eigenem Kind daneben.

Auf dem Rückweg kam der Höhepunkt des Tages, und er hatte nichts mit Felsen zu tun. „Stil-Mäh“ hat uns schon aus großer Entfernung erkannt — oder jedenfalls hat es so ausgesehen — und ist uns quer über die Weide mähend entgegengelaufen. Raphael hat den Rest des Nachmittags von nichts anderem mehr geredet. Man kann Kindern die schönsten Aussichten zeigen; erinnert wird am Ende das Schaf, das zurückkommt.

Was wir gelernt haben

  • Die Runde ist kurz, aber komoot stuft sie zu Recht als schwer ein. Es gibt mehrere Stellen, an denen man über Felsstufen klettert und auf denen Trittsicherheit nötig ist — feste Schuhe sind hier keine Empfehlung, sondern Voraussetzung. Mit kleineren Kindern an der Hand wird es an den Abbrüchen eng.
  • Auf den Haselstein kommt man nur abseits des Weges. Vom Pfad aus sieht man kaum, dass da oben etwas ist; wer den Abstecher auslässt, hat den halben Reiz der Tour verpasst. Hinauf geht es über Blöcke, ohne Kletterei im engeren Sinn.
  • Am Honigfels und auf dem Felsgrat geht es ungesichert an Kanten entlang, teilweise mit zehn Metern und mehr darunter. Der beste Aussichtspunkt der Tour ist zugleich die Stelle, an der man ein Kind in Reichweite behält.
  • Wenn Kletterer in der Wand hängen, ist das für Kinder interessanter als jeder Gipfel. Es lohnt sich, dafür Zeit einzuplanen und stehenzubleiben, statt weiterzugehen.
  • Der Bärenbrunnerhof ist die einzige Einkehr auf der Strecke und liegt ungefähr in der Mitte der Runde. Tiere gibt es direkt hinter dem Haus zu sehen — Schweine und eine große Hühnerwiese —, und das bindet Kinder länger als das Essen.
  • Was von so einem Tag hängenbleibt, entscheidet man nicht selbst. Bei uns war es nicht der Fels, sondern ein Schaf am Zaun, dem wir ein Stück Apfel gegeben haben und das uns Stunden später wiedererkannt hat.

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